Panel V
von admin
Ein Beitrag von Julia Chiquerille
If you having fun, you are not learning (Roald Dahl, Matilda)
Macht es Sinn Belehren und Unterhalten zu trennen? Bilden sie ein Gegensatzpaar oder stehen sie in einem Wechselspiel zueinander, ergänzen sich? Ist die Fragestellung relevant, braucht es eine neue Formulierung? In Panel V “Unterhalten und Belehren. Überlegungen zu den konstituierenden Elementen medialen Handelns” ging es um das Spannungsfeld zwischen Belehrung und Unterhaltung und die Beantwortung der eingangs gestellten Fragen.
Eröffnet würde das Panel mit Hans-Otto Hügel dessen Vortrag sich mit Unterhalten und Belehren im 19. Jahrhundert “Die Diskussion um das populäre Sachbuch in den Blättern für literarische Unterhaltung (1818-1895)” auseinandersetzte. Anhand verschiedener, sehr unterhaltender Beispiele aus den Blättern für literarische Unterhaltung, zog er den Schluss, dass sich erstmals im 19. Jahrhundert die Fronten zwischen Ernst und Unterhaltung aufbrechen ließen und sich ein Wandel vom Empiriker, der sammelt, vergleicht und Schlüsse zieht zum Prediger, der seinen Glauben kundtut bemerkbar macht.
Die zweite Referentin, Ingrid Tomkowiak , mit dem Vortrag “Wissensvermittlung durch Unterhaltungsliteratur. Science Fiction der 1920er und 30er Jahre” bot einen Überblick über die Entwicklung der SF-Literatur. Vorraussetzung für dies Genre war die voranschreitende Erforschung der Welt und des Weltalls, ebenso wie fundierte Kenntnisse vom Menschen und der Technik. Wenn Science und Fiction verbunden werden, so entstehen Grenzüberschreitungen in räumlichen, zeitlichen und physischen Dimensionen. Erstmals bekommt Fantasie, etwa bei Jules Vernes oder H.G. Wells, neben genauen detaillierten wissenschaftlichen Beschreibungen einen eigenen Stellenwert. Es handelt sich also bei SF-Literatur um eine Wissensvermittlung mit unterhaltender und belehrender Art.
Don´t call him and don´t return often his calls (the Rules Nr.7)
In die Gegenwart führte uns Brigitte Frizzoni mit ihrem erfrischenden Vortrag über “Liebesgeschichten als Ratgeberliteratur (20./21. Jahrhundert)” Neben den amerikanischen Liebes Ratgebern “Reading the Romance”? und “The Rules” stellte Sie unter anderem “Jane Austen´s Guide to Dating” (2005) vor und belegt das Liebes Ratgeber sowohl zur Unterhaltung und Entspannung gelesen werden jedoch ebenso als Ratgeber fungieren können.
Den letzte Beitrag lieferte und Klara Löffler mit dem Titel “Warum wir Bridget Jones lieben. Oder: Ethnographische Recherchen zur Ratgeberlektüre (20./21. Jahrhundert)” Sie verstand Ihren Vortrag als Plädoyer für Aneignungsforschung und zeigte uns anhand dreier Beispiele Über Küchenratgeber, Gesundheitsratgeber, und Lebenshilfenratgeber wie Menschen wo, wie, wann, warum, mit ihren Ratgebern umgehen. Sowohl ihr Aussehen als auch ihre Lebensdauer ist stärkeren Schwankungen unterlegen als andere Bücher und hängt von den jeweiligen Stimmungsschwankungen und Lebensphasen der Leser ab.
In der anschließenden Diskussion wurde versucht nochmals auf die Eingangsfragen einzugehen. Es waren sowohl Stimmen zu hören, die Belehrung und Unterhaltung als Ergänzungen verstehen. Vor allem in der Universität sollten diese kein Gegensatzpaar darstellen. Es solle jedoch trotzdem Unterschieden werden ob in unserer Mediengesellschaft Belehren und Unterhalten so ohne weiteres, ohne kritisches Hinterfragen anzustreben ist.

