Authentizität vermitteln - die Podiumsdiskussion zu Dokumentarfilmen
von Haro
Ein Beitrag von Anna Kassaras
Professor Dr. Michael Simon moderierte die Diskussionsrunde an diesem Abend und machte zu Beginn deutlich, dass Dokumentarfilmer und Ethnographen Vieles gemeinsam haben; so zum Beispiel die Arbeit mit Menschen, die in ihrem Alltag beobachtet werden, wie auch das Bemühen denjenigen eine Stimme zu geben, die sonst nicht gehört werden.

Er stellte den Teilnehmern Fragen rund um das Thema Dokumentar-Film. Wie wird der Dokumentarfilm vom Publikum aufgenommen? Was ist eigentlich ein Dokumentarfilm und wie grenzt er sich von anderen Film-Genres ab? Wie ist das Verhältnis von Nähe und Distanz der Autoren zu den Protagonisten? Werden nicht oft zu hohe Erwartungen der Protagonisten geschürt?
Die Diskussions-Teilnehmer, die sich alle auf ihre Weise mit diesem Genre beschäftigt hatten, Äußerten sich dazu sehr detailliert und gaben dem Publikum einen interessanten Einblick in ihre filmischen Arbeiten. So fänden viele Menschen laut Hans-Dieter Grabe, langjähriger Redakteur beim ZDF, den Dokumentarfilm langweilig. Sie würden lieber pseudo-wissenschaftliche Filme konsumieren, die nur auf Inszenierungen basieren. Dies würde jedoch nicht dazu führen, dass der Dokumentarfilm von der Bildfläche verschwinden werde. Diejenigen, die sich die Zeit nehmen, ihn zu sehen, würden mit etwas sehr Spannendem, Besonderem belohnt. Das Besondere am Dokumentarfilm und zugleich die Abgrenzung zu anderen Film-Genres - da waren sich alle Teilnehmer einig - sei seine Authentizität. Zudem forderte Grabe, dass der Dokumentarfilm politisch sein sollte.
Für Bettina Blümner, Autorin des Films “Prinzessinnenbad”, ist ein “faires Verhältnis” wischen FilmemacherIn und Protagonisten maßeblich für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Sie beschrieb, dass bei ihrem Projekt eine groß Nähe und Sympathie zu ihren Protagonistinnen bestanden habe.
Der Kulturanthropologe Dr. des. Marius Risi drehte den Dokumentarfilm “Im Lauf der Zeiten - Oberwalliser Lebenswelten”, in dem er Menschen über Veränderungen in ihrer Region befragte und durch Vorführung alten Filmmaterials zum Erzählen brachte. Er berichtete von teils hohen Erwartungen der Protagonisten an den Film, die schließlich enttäuscht werden mussten, da nur ein Bruchteil dessen gezeigt werden konnte, was ursprünglich aufgenommen worden war. Auch erhoffen sich Protagonisten oft persönliche Vorteile durch ihre Partizipation an einem Film, was problematisch sei.
Anschließend kamen viele Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum. So konnte die Diskussion die Vielschichtigkeit des Themas verdeutlichen.

