Belehrend und unterhaltend!

von Tina

Ein Beitrag von Birgit Rein und Bettina Johnen

Ingrid Tomkowiak, Hans-Otto HügelPanel V “Unterhalten und Belehren” war gut besucht, nicht nur die Sitze des Hörsaals waren voll, auch die Treppen waren voll besetzt. Hans-Otto Hügel eröffnete das Panel mit einem Vortrag zum Unterhalten und Belehren im 19. Jahrhundert, Ingrid Tomkowiak folgte mit der Science-Fiction-Literatur des beginnenden 20. Jahrhunderts und Brigitte Frizzoni sowie Klara Löffler sprachen zu aktuellen Phönomenen in den Bereichen Print und Film.

In seinem sehr informationsreichen Vortrag behandelte Hans-Otto Hügel das Verhältnis von Unterhalten und Belehren im Spiegel der “Blätter für literarische Unterhaltung”, wohl dem Rezensionsorgan für populäre Literatur im 19. Jahrhundert. Anhand zahlreicher Beispiele aus den Blätern zeigte er, dass Unterhalten im 19. Jahrhundert eine “Um-zu-Funktion” hatte (Unterhalten, um zu belehren). Sein Vortrag schloss mit einigen Anmerkungen zum unterhaltenden populären Sachbuch.

Ingrid Tomkowiak bot einen Überblick über die Entwicklung der SF-Literatur vom 19. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert. Der Begriff “Science Fiction” kam zum ersten Mal bei William Wilson 1851 vor, weitere frühe Vertreter des Genres waren Jules Verne (1828-1905) oder H. G. Wells (1866-1946). Über eine Auseinandersetzung mit den zahlreichen SF-Magazinen kam Frau Tomkowiak schließlich zu den frühen deutschen SF-Autoren Oskar Hofmann, Robert Kraft, Hans Dominik u.a. Insgesamt wertete sie das Genre des SF als unterhaltend und zugleich belehrend. Die Autoren selbst hätten sich in wissenschaftlichen oder populärwissenschaftlichen Zeitschriften ihrer Zeit über aktuelle technische Entwicklungen informiert und diese weiter gedacht. Der Vortrag schloss mit einem Verweis darauf, dass Science Fiction eigentlich alle Merkmale des “Infotainment” erfülle und dieser Begriff bei der Erklärung der SF-Literatur herangezogen werden könne.

Brigitte Frizzoni sprach über das Verhältnis von Liebesgeschichten und Ratgeberliteratur. Bereits die 1984 in den USA erschienene Studie “Reading the Romance” belegt, dass Liebesromane als Unterhaltung und Belehrung gelesen werden. Auch Ratgeber nehmen diese fiktionalen Liebesgeschichten auf, wie z.B. “All I need to Know in Life I Learned from Romance Novels” (1998) von Victoria M. Johnson oder Lauren Hendersons “Jane Austen’s Guide to Dating” (2005). Als nächstes stellte Frizzoni den amerikanischen Liebes-Ratgeber “The Rules” vor, der sich an Frauen auf der Suche nach dem richtigen Mann richtet und dessen strenge Regeln im Umgang mit dem Verehrten bzw. Verehrer das Publikum merklich erheiterte. Schließlich zeigte sie zahlreiche Beispiele aus Literatur und Film, in denen diese Liebesratgeber ironisch verarbeitet werden.

Klara LöfflerAbschließend sprach Klara Löffler über die Praxis des Ratgebergebrauchs anhand von Kochbüchern, Gesundheitsberatern und Lebenshilferatgebern. Sie sprach sich dafür aus, die Bücher auch als Gebrauchsgegenstände zu sehen. Die Fettflecken und Zettelchen in einem Kochbuch könnten z.B. Aufschluss über dessen Nutzung geben. Kochbücher werden nicht intensiv gelesen, sondern es wird in ihnen eher geblätter und gestöbert. Gesundheitsratgeber hingegen werden intensiver gelesen, wichtige Stellen werden makiert oder unterstrichen. So setzt der/die Kranke aus verschiedenen Ratgebern, Fernsehsendungen und Internetquellen sein eigenes Wissen über seine Krankheit zusammen. Der Konsum von Lebensratgebern ist schließlich abhängig von Lebensphasen und individuellen Stimmungen. Allgemein hä¤tten Ratgeber häufig eine kürzere Lebensdauer als andere Buchsorten, sie würden z.T. erst gar nicht in die Ordnung des Bücherregals eingeordnet oder nach einiger Zeit wieder aussortiert und weggeschmissen.

Datum: Mittwoch, 26. September 2007, 18:02 Uhr
Themengebiet: Vorträge Trackback: Trackback-URL
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