Panel VI - Forschungsnetzwerk Anthropologie des Medialen

von Anne

Ein Beitrag von Petra Daniela Stein (B.A.)

Ihre Forschungsarbeiten und -erkenntnisse in der Reihe Anthropologie des Medialen stellten am Mittwochvormittag fünf Wissenschaftler aus Frankfurt am Main, Gießen und Wien vor. Da die Vorträge der Referenten kurz gehalten waren und sich auch inhaltlich stark unterschieden, erhielten die Kongressteilnehmer einen anregenden Einblick in die Vielfältigkeit und Möglichkeiten eines kulturanthropologischen Theoriebildungsprozesses, der sich darum bemüht, medialen Fortschritt sowohl aus interdisziplinärer als auch aus internationaler Perspektive zu beleuchten.
So informierte etwa der Diplom-ädagoge Claudius Terkowsky über eine neue, univerisitäre Lern-Landschaft, die sich derzeit nach amerikanischem Vorbild formiert und von dem Strukturmuster des so genannten E-Learnings geprägt wird. Terkowsky konstatierte, dass E-Learning den Menschen nicht nur von einem vordefinierten Klassen- oder Seminarverband entbindet, sondern gleichzeitig dessen Wissenspräferenzen auf der Basis globaler Informations- und Wissensräume selektiv ausbildet. Die strukturellen Prozesse dieses neuen Lernens hängen technologisch von der Auffindbarkeit von Inhalten und der Stabilität der technischen Voraussetzungen ab. Außerdem spielt die Glaubwürdigkeit anonymer und pseudonymer Vermittlungsgefüge eine entscheidende Rolle. Besonders interessant für Forschungsarbeiten aus diesem Bereich erscheint der Aspekt, dass sich netztechnologische Prozesse wie das E-Learing jeglicher national-kultureller Beeinflussung entziehen.

Der Theaterwissenschaftler Alexander Schwinghammer hingegen referierte zu den Praktiken des Bildgebrauchs in Kriegs- und Krisenzeiten. Am Beispiel des Ende 2003 erstmals in Berlin vorgeführten und als Verarbeitung des Irak-Kriegs bezeichneten Stücks “Bambiland” (Text: Elfriede Jellinek), erläuterte er die mediale Vermittlung von Kriegsgeschehen, die vorrangig mit Inszenierung - und damit mit einer temporären Verdichtung - arbeitet. Durch spezifische Auswahl, Organisation und Strukturierung von Materialien wird bei der Kriegsberichterstattung etwas zur Erscheinung gebracht, das sich seiner wahrnehmbaren Gegenständlichkeit entzieht und nur durch Medien zur Erscheingung kommt. Schwinghammer rückte das Transformationsgeschehen in den Mittelpunkt, indem er darauf hinwies, dass Reporter, dadurch, dass sie mediale Formate erhalten, erschaffen und weiterentwickeln, darauf abzielen, das Ungewähnliche im Mittelpunkt der medialen Beobachtung zu platzieren. Projekte wie Bambiland würden daher zur Reflexion anregen. Denn sie belegen, welche Weltgeschehnisse als medial-kulturelle Attraktion hervorgebracht werden.

Weitere Redner an diesem Vormittag waren Julie Woletz, die über das Forschungsfeld des digitalen Storytellings informierte, Wolfgang Zeglovits, der Fallstudien zur Praxis der Weblog-Software-Entwicklung erläuterte und ein junger Wissenschaftler aus Gießen, der sein Promotionsprojekt zum Computerisierungsprozess in Pakistan vorstellte. Die Moderation des Panels “Forschungsnetzwerk Anthropologie des Medialen” übernahm Katharina Kinder (Lancaster).

Datum: Mittwoch, 26. September 2007, 13:42 Uhr
Themengebiet: Vorträge Trackback: Trackback-URL
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