Interessiert sich die DGV noch für die IVB?
von Fee
Auch unsere Besucher sind fleißig. Ein Gastbeitrag von Felix Lohmeier zu den Vorträgen von James R. Dow und Barbara Chen sowie Katja Dühlmeyer und Christian Rüter.
In den Plenarvorträgen zu Fachbibliografien am Dienstag Nachmittag stand die Frage nach der (elektronischen) Zukunft der Internationalen Volkskundlichen Bibliographie (IVB) im Fokus. Als Anregung sprachen dazu zunä¤chst James R. Dow und Barbara Chen aus Ames, Iowa als Vertreter der MLAIB, der größten internationalen Datenbank für die Humanities, über die geschichtliche Entwicklung der MLAIB und aktuelle Pläne. In die Pause einer langwierigen DGV-Mitgliederversammlung gepresst, waren die Vorträge mit rund 50 Zuhörern schwach besucht. Thomas Hengartner bedauerte in seiner Anmoderation das mangelnde Interesse und vermutete, dass wohl noch nicht in vielen Köpfen angekommen sei, dass wir über den “Schatz” IVB verfügten. Die mangelnde Resonanz ist auch deshalb ärgerlich, weil der Vortrag von Dow/Chen der einzige Beitrag aus einem nicht-deutschprachigen Land auf dem DGV Kongress war und sich hier beispielhaft aufgezeigt hat, wieviel Entwicklungspotential durch einen besseren internationalen Austausch in manchen Fachbereichen (hier bei der Fachbibliografie) möglich wäre.
Dow und Chen lieferten mit der beneidenswert entwickelten MLAIB jedenfalls eine gute Argumentationsgrundlage für eine fachspezifische Bibliografie. Katja Dühlmeyer, die zuständige Fachreferentin in Berlin für das Sondersammelgebiet und Christian Rüter als Vertreter von EVIFA griffen diese auf und zeigten pragmatische Lösungsansätze für den unbefriedigenden Zustand der IVB auf. Als Lichtblick konnte im Rahmen des EVIFA-Projekts bereits der Bestand von 1985-1998 in ein modernes relationales Datenbanksystem überführt und über einen Onlinekatalog zugänglich gemacht werden. Trotzdem stockt die grundsätzliche (ehrenamtliche) Arbeit an der IVB weiterhin. Zur Zeit wird noch am Berichtsjahr 2000 der normalen Printausgabe gearbeitet. Die Referenten forderten eine Initiative für eine gegenwartsbezogene Zukunft der IVB, da der Bedarf für eine systematische Fachbibliografie in jedem Fall bestehe. Ein wichtiger Nutzen könne dabei sein, dass die Fachidentität nach innen und außen gestärkt würde. In 10 Thesen zur Zukunft der IVB forderten die Referenten in erster Linie eine Konzentration auf aktuelle Publikationen (die verlorenen Jahre 2000-2006 sollten zunächst akzeptiert werden) und einen Abschied von der Printversion.
Im Plenum wurde im Anschluss keine Diskussion mehr geführt, da die DGV-Mitgliederversammlung direkt fortgesetzt werden sollte. Deshalb bleibt die Frage nach möglichen Initiativen aus dem Fach zunächst offen.
Die online-Version der IVB (1985-1998) wird unter www.evifa.de angeboten.


Mittwoch, 26. September 2007 11:43
Ja, die dgv (btw: die DGV sind die VölkerkundlerInnen) interessiert sich noch fü¼r die IVB.
Wir haben uns in der letzten Legislatur des Hauptausschuss intensiv mit dem Thema befasst. Ein konkretes Ergebnis gibt es nicht, da die zu beantwortenden Fragen zu breit gefächert sind und an zu vielen historisch gewachsenen Strukturen “gewerkelt” werden müsste.
Ein neuer Titel für diesen Beitrag wäre: “Interessieren sich die Mitglieder der dgv für die IVB?”
Vielleicht ist es nicht ganz klar, dass die Zukunft der IVB auf der “Kippe” steht. Tod ist sie noch nicht, aber es ist nicht sehr komfortabel, wenn z.B. das Bearbeitungs- und Erscheinungsjahr immer weiter auseinanderdriften.
Mittwoch, 26. September 2007 12:08
James Dow sagte mir nach dem Vortrag von Katja Dühlmeyer und mir, dass manche der Probleme, die wir geschildert haben, schon vor 30 Jahren auch seine waren. Insofern ist traurig festzustellen, dass man an dieser Stelle nicht weiter gekommen ist.
Vielleicht wäre es ein Weg, mehr jüngere Leute in der dgv für das Projekt zu gewinnen, auch Studierende, anstatt darauf zu warten, dass die Granden der dgv nochmal Position beziehen. Oder haben die Jungen gar keine Lust zu sowas?
Ich stelle hier noch einmal die 10 Abschlußthesen zur Diskussion in den Block ein:
1.Die Fachcommunity muss sich über die Inhalte der IVB neu verständigen; diejenigen, die bislang der Meinung waren, dass die IVB ein zu altmodisches Fachprofil pflege bzw. die laufende Fachdiskussion nicht hinreichend abbilde, müssen sich an der Diskussion beteiligen und dafür sorgen, dass die gewünschten Inhalte repräsentiert sind.
2.Die Mitarbeit an der IVB muss aufgewertet werden. Dies forderte schon Bimmer 1998 - offenbar ohne Erfolg. Dennoch ist es eine zentrale Frage, welche Anreize die Mitarbeit an der IVB bietet, um überhaupt Mitstreiter rekrutieren zu können.
3.Die Inhalte müssen formal klar definiert werden. Sollen nur Aufsätze erschlossen werden oder auch Monographien? Welche Sammelbände, Zeitschriften oder graue Literatur? Wer entscheidet über die Aufnahme?
4.Wo es möglich ist, sollte auf bereits erfasste Daten zurückgegriffen werden (Austausch z.B. mit Bibliothekskatalogen). Auch sollte soweit als möglich auf Normdaten aus Bibliotheken zurückgegriffen werden.
5.Die sachliche Erschließung ist als praktikabler und akzeptabler Kompromiss zu gestalten; der perfekteste Thesaurus nützt nichts, wenn nach seiner Erstellung die Kapazitäten erschöpft sind und die Einarbeitung von Inhalten stockt. Sicherlich wird man stellenweise auch mit einer inkonsistenten Systematik mit nicht immer brandaktueller Terminologie leben müssen.
6.Eine zentrale Koordination ist weiterhin erforderlich. An zentraler Stelle muss es eine zuverlässige, langfristig arbeitende Redaktion geben. Auch die technische Infrastruktur muss zentral bereitgestellt werden und grundsätzlichen Anforderungen genügen: einfach, auf unterschiedlichen Plattformen (am besten über WWW) zu nutzen, Datenaustausch möglich, …
7.Die Zuständigkeit für die Erschließung sollte in bewährter Weise dezentral verteilt sein. Dabei ist zu überlegen, wie man die Arbeitslast am besten verteilen könnte. Jedes Institut sollte beispielsweise seine eigenen Publikationen einpflegen - damit wäre bereits ein Grundstock an Informationen vorhanden.
8.Darüber sollen die Mechanismen des Web 2.0 genutzt werden, um weitere Daten zu gewinnen. Dies könnte die Eingabe weiterer Sacherschließungsdaten oder sogar Kommentare beinhalten, aber auch die Neueingabe ganzer bibliographischer Datensätze durch interessierte Nutzer.
9.Es muß ein tragfähiges Geschäftsmodell für die IVB entwickelt werden. Dabei ist auch zu fragen, ob die IVB etwas kosten darf bzw. soll.
10.Ziel sollte es sein, jetzt laufend mit den Daten zu beginnen und nicht den verpassten Daten der vergangenen 5 Jahre nachzutrauern. Vielleicht wird die Lücke nie geschlossen werden, aber wichtiger, als auf Vollständigkeit zu dringen und den Abstand zwischen Berichts- und Erscheinungsjahr immer größer werden zu lassen, wäre es, für die Gegenwart ein funktionierendes Modell zu entwickeln und dieses in der Praxis zu erproben. Dies würde letztlich auch einen Abschied von der Printversion bedeuten.
Die IVB ist unter http://www.evifa.de/ivb direkt zu erreichen.
Mittwoch, 26. September 2007 19:49
<p>Ob die jungen Leute dazu Lust haben oder nicht ist wohl schwierig zu beantworten. Aber es gibt ja momentan auch keine Möglichkeit Daten einzugeben, bzw. es ist nicht bekannt wo man es machen könnte. Es scheint ja irgendwie ein kleines Geheimnis zu sein, wie die ehrenamtlichen HelferInnen sich beteiligen.<br />
Und hier seh ich die dgv ebenfalls in der Rolle, denn es muss z.B. eine Entscheidung getroffen werden, wohin die jährlichen Zuschüsse für die IVB bzw. für deren Drucklegung landen sollen.</p>
<p>Mir selbst ist etwas mulmig zu Mute, weil vieles parallel, aneinander vorbei läuft. Wenn ich die Agenda beschließen könnte, dann wäre auch ein offenes und transparentes System vorhanden, damit die Daten auch noch in X Jahrzehnten vorhanden sind. Erst dann darf man sich von einer Printversion verabschieden.</p>
<p>Und was in Sachen IVB, auch bei den oben genannten 10 Thesen unbeachtet bleibt sind die anderen Länder, sie sich an der IVB beteiligen. </p>
<p>Selbst wenn für Deutschland eine “Lücke” beschlossen wird, was ist mit den anderen Ländern? Wenn die anderen Länder diese nicht wollen? Dann muss die dgv vielleicht ihre Macht ausüben, weil sie viel Geld hineinsteckt, aber will man solche Machtspiele?</p>
<p>Ich sehe hier keine andere Möglichkeit, als dass sich die “grande dgv” zu einem Konzept bekennen muss. Und dieses dann auch mit den anderen Ländern versuchen muss umzusetzen.</p>