Viola Hofmann
von Peter
Das Kostüm der Macht. Das Erscheinungsbild von PolitikerInnen von 1949-2005 im Magazin “Der Spiegel”.
Joschka Fischers “langer Lauf zu sich selbst” wurde von den Medien ausführlich begleitet, auch durch Fotografien. Die Bilder des Außenministers im Marathon-Dress gehören zu einer Form der Selbstdarstellung politischer Repräsentanten, zu der sich auch die aktuellen Fotos von Vladimir Putin und Nico Sarko zählen lassen, auf denen beide Politiker mit nacktem Oberkörper posieren. Ganz anders sah die Medienpräsenz deutscher Kabinettsmitglieder in der Zeit der Adenauer-Kanzlerschaft aus: Anzug war Pflicht, bei Staatsempfängen trugen die Herren Cut und Zylinder.
Der Geschichte dieser Entwicklung ging die Textilwissenschaftlerin Viola Hofmann in ihrem Vortrag “Das Kostüm der Macht” nach, der zum Panel “öffentlicher Raum” gehörte. Einen einschneidenden Wandel brachten die 1960er und 1970er Jahre, als Politiker sich zunehmend in privatem Rahmen öffentlich präsentierten. Zu dieser Haltung gehörten auch Elemente der Freizeitkleidung wie Lederjacke und Sporthose sowie die Inszenierung als Angler (Willy Brandt) und Boxer (Norbert Blüm). Hoffmann zeigte dabei, dass Bildmedien wie die Karikatur sich schon früh mit dieser Selbstinszenierung von Politikern auseinandersetzten: Die Plateauabsätze von Kanzler Helmut Schmidt waren den politischen Medien ebenso ein Thema wie der stattliche Leibesumfang von Außenminister Genscher.
Viola Hoffmann nannte als Beispiel für eine Rückbesinnung auf eine nüchterne Außendarstellung von Politikern die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

